Vielleicht kennen Sie das: Gerade, wenn um einen herum ein hoher Lärmpegel herrscht, wird es immer schwieriger, ein Gespräch zu führen – weil man schlicht kaum versteht, was einem das Gegenüber sagt. Oder es kommt zu einem plötzlichen Stechen oder einem dumpfen Druckgefühl im Ohr. Solche oder ähnliche Beschwerden im Hörorgan schränken die Lebensqualität im Alltag unmittelbar ein. Dementsprechend wichtig ist es, die Ursachen frühzeitig zu klären und gezielt zu handeln, um ernsthafte Folgeerkrankungen auszuschliessen.
Ohrenprobleme können vielfältige Ursachen haben und ganz unterschiedlich in Erscheinung treten. Zu den häufigsten Beschwerden zählt die Mittelohrentzündung, die sich meist durch starke, pochende Schmerzen und ein unangenehmes Druckgefühl manifestiert. Ebenso verbreitet ist die Gehörgangsentzündung, die oftmals von einem ausgeprägten Juckreiz begleitet wird. Oft klagen Betroffene bei Ohrerkrankungen über vielfältige Begleitsymptome wie Schwindel oder eine generelle Gehörveränderung. In vielen Fällen fühlen sich die Ohren auch schlichtweg «blockiert» an. Somit empfiehlt es sich, bei anhaltenden oder akuten Irritationen zeitnah eine Fachperson hinzuzuziehen, um die genaue Ursache zu eruieren.
Schnell und unkompliziert
Um das vorliegende Problem exakt zu definieren und die entsprechenden Behandlungsmöglichkeiten darzulegen, bietet sich als erste Anlaufstelle ein unkomplizierter Ohr-Check in einer Apotheke an. Im Raum Zürich wird ein solcher etwa bei der Dr. Andres Apotheke bei Zürich Stadelhofen angeboten. Bei einem solchen Ohrscreening geht man den Ursachen für gängige Ohr-Probleme auf den Grund – sei es bei Schmerzen, Druckgefühl, Juckreiz, einem verstopften Gehörgang, Gehörveränderungen oder Schwindel. Während der Untersuchung wird eine Ohrspiegelung durchgeführt. Dabei hat man als Kundin oder Kunde die Möglichkeit, die hochauflösende Aufnahme Ihres Ohrs transparent auf einem Bildschirm mitzuverfolgen.
Im Anschluss an den Ohr-Check besprechen die Spezialistinnen und Spezialisten das Resultat detailliert mit Ihnen. Somit kann direkt im Anschluss die passende Therapie empfohlen werden. Nicht selten verbirgt sich hinter einer plötzlichen Hörverminderung lediglich ein Ohrenschmalzpfropf. Wird eine solche Ansammlung von Ohrschmalz entdeckt, haben die Fachkräfte die Möglichkeit, diesen direkt vor Ort auszuspülen. Diese niedrigschwellige Dienstleistung spart in den meisten Fällen einen zusätzlichen Arztbesuch. Natürlich: Sollte es zu einer schwerwiegenderen Diagnosen kommen, wird einem umgehend mitgeteilt, dass eine ärztliche Konsultation empfehlenswert ist.
Passend zum Thema: Wie man Ohren richtig reinigt
Der Krankenversicherer Sanitas hat mit einem Experten einen spannenden und nützlichen Artikel zum korrekten Entfernen von Ohrenschmalz erstellt. Anbei finden Sie diesen, das Original gibt es hier.
Ohrenschmalz hat einen schlechten Ruf – dabei erfüllt er eine wichtige Aufgabe. Der gelbliche bis bräunliche Film im Gehörgang, medizinisch Cerumen genannt, befeuchtet, schützt und reinigt das Ohr.
Er hält den Gehörgang geschmeidig, fängt Staubpartikel und Schmutz ab und wirkt sogar antibakteriell. Dass viele Menschen dennoch glauben, ihn regelmässig entfernen zu müssen, hat mehr mit kulturellen Gewohnheiten als mit medizinischer Notwendigkeit zu tun.
«Die Produktion von Ohrenschmalz ist eine ganz natürliche, individuell sehr unterschiedliche Körperfunktion», erklärt Prof. Dr. med. Marcus Maassen, HNO-Spezialist aus Luzern. Einer von rund 20 Erwachsenen ist von einer übermässigen Cerumenbildung betroffen. Was zu einem verstopften Gehörgang führen kann. Zu wenig Produktion hingegen kann Symptome wie Trockenheit und Juckreiz fördern.
Wie oft sollte man die Ohren reinigen?
In den meisten Fällen lautet die medizinisch korrekte Antwort: gar nicht. Das Ohr ist ein selbstreinigendes System.
Nur wenn etwa folgende Symptome auftreten, sollte man eine fachärztliche Kontrolle in Betracht ziehen:
- plötzliche einseitige Hörminderung
- Juckreiz oder Druckgefühl
- Gefühl von Verschlossenheit im Ohr
- Schmerzen oder vermehrte Cerumenproduktion
«Gerade nach Badeferien oder Flugreisen führen wir sehr häufig Behandlungen durch, um verkeiltes Cerumen zu entfernen», so Maassen. «Wenn Wasser ins Ohr eindringt und auf bereits vorhandenes Ohrenschmalz trifft, kann sich dieses verflüssigen und den Gehörgang komplett verschliessen – eine zähe, fast honigartige Masse, die sich direkt vor dem Trommelfell staut.»
Die Folge: eine plötzliche Hörminderung, die in der HNO-Praxis regelmässig vorkommt und unkompliziert behandelt werden kann.
Ohrenschmalz entfernen: So geht’s richtig
Es gibt drei Behandlungsmöglichkeiten zur Entfernung von Ohrenschmalz:
- Spülung des Gehörgangs mit warmem Wasser: Allerdings hat man keine Kontrolle, falls ein Trommelfelldefekt vorliegen sollte.
- Cerumenolytische Mittel: Wasser, Salzwasserlösungen oder alkoholische Lösungen können das Cerumen aufweichen. Dadurch kann das Cerumen ausgespült werden.
- Manuelle Entfernung: Ohrküretten, Sonden oder Haken, idealerweise in Kombination mit Mikrozängelchen und Mikrosaugern können das Ohrenschmalz entfernen. Durch die Verwendung eines Ohrmikroskops kann der Facharzt zur erhöhten Sicherheit beitragen.
Ohrentropfen statt Spülung
Bei leichten Verstopfungen helfen sogenannte Cerumenolytika – Ohrentropfen auf Öl- oder Glycerinbasis, die das Cerumen aufweichen. Maassen empfiehlt:
- Tropfen einträufeln, den Kopf zur Seite neigen,
- 5 Minuten einwirken lassen,
- Vorgang über 2–3 Tage wiederholen.
Wenn die Beschwerden nach einer Woche nicht verschwinden, ist der nächste Schritt der Gang zur HNO-Praxis.
Spülungen zu Hause, etwa mit Ohrenduschen, sind nicht empfohlen, da sie bei nicht erkennbaren Trommelfellverletzungen oder festem Cerumenpfropf zu Komplikationen führen können.
Ein echter Ohrenschmalzpfropf, besonders der sogenannte Cerumen obturans, ist nicht durch Hausmittel entfernbar. «Diese Pfropfen sitzen oft tief, sind verkeilt und lassen sich nur unter mikroskopischer Kontrolle entfernen – durch Absaugen oder mithilfe spezieller Mikrozangen», sagt Maassen.
Eigenversuche, etwa mit Stricknadeln, Haarnadeln oder selbstgebauten Werkzeugen, sind gefährlich und fahrlässig. «Wer das Trommelfell durchsticht oder gar das Innenohr verletzt, riskiert bleibende Hörschäden.»
Finger weg von Wattestäbchen
Trotz jahrzehntelanger Warnungen gehört das Wattestäbchen für viele noch immer zur Körperpflege. Doch gerade bei der Ohrreinigung richtet es oft mehr Schaden als Nutzen an.
«Was viele nicht wissen: Mit dem Wattestäbchen wird das Cerumen nicht entfernt – sondern oft noch tiefer hineingeschoben», betont Maassen. Dadurch verstopft der Gehörgang nicht nur schneller, sondern das Risiko für eine Entzündung des Gehörgangs steigt deutlich.
«Man kann das vergleichen mit einem Schneepflug, der den Schnee vor sich herschiebt – mit dem Unterschied, dass dieser Pfropf dann manchmal direkt vor dem Trommelfell sitzt», so Maassen.
Die Folge: Entzündungen, Reizungen und im schlimmsten Fall sogar Verletzungen. Deshalb ist es umso wichtiger, Vorsicht walten zu lassen und im Zweifelsfall ärztliche Unterstützung in Anspruch zu nehmen.